»Eine Welt ohne Armut, gewaltsame Konflikte und ökologische Zerstörung.« Ziele des BMZ

Essbare Wälder in Bolivien und Madagaskar

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fördert aktuell zwei Projekte von Naturefund. Bei beiden Projekten ist das Ziel, die Lebensbedingungen von Kleinbauernfamlien durch dynamischen Agroforst zu verbessern. Dynamischer Agroforst ist eine relativ junge Anbaumethode, bei neben landwirtschafltichen Produkten auch zahlreiche Bäume gepflanzt werden. Natürliche Mechanismen, wie hohe Artenvielfalt, hohe Pflanzdichte und auch der regelmäßige Schnitt der Pflanzen werden genutzt und gezielt verstärkt. In kurzer Zeit entstehen hochproduktive grüne Oasen, die den Familien eine Vielfalt von Produkten für die eigene Ernährung und für den Markt bieten. Gleichzeitig erholt sich der Boden und ein natürlicher Lebensraum für die Vielzahl der Arten entsteht.

Das Projekt in Bolivien findet im Hochland im Tal von Cochabamba und im Nationalpark Tunari statt. Das BMZ förderte bisher zwei Phasen: Phase I 2014 mit 17 Familien und Phase II 2015-2016 mit 79 Familien. Dabei wurden rund 13.000 Bäume gepflanzt, hauptsächlich lokale und endemische Arten, aber auch gut 5.000 Fruchtbäume wie Apfel, Walnuss oder Pfirsich. Eine Auswertung über die Veränderung des Einkommens von 44 Familien in der Projektregion Sacaba kam zu folgendem Ergebnis:

  • Phase I 2014: 14 Familien nahmen teil, davon haben 7 die Parzelle auf den schlechtesten Böden errichtet, die bisher keinen Ertrag erbrachten: Durchschnittseinkommen vorher: 291,43 BOB, mit dem Projekt: 902,86 BOB, Einkommenssteigerung im 2. Jahr um: 209,8%
  • Phase II 2015-2016: 19 Familien, davon haben 8 die Parzelle auf den schlechtesten Böden errichtet, die bisher kein Ertrag brachten. Durchschnittseinkommen vorher: 343,33 BOB, mit dem Projekt: 833,89 BOB, Einkommenssteigerung im 1. Jahr um: 142,88%

Kommentar einer Bäuerin: „Unser Agroforstgarten ist wie ein Markt, der fast alles bietet: Will ich Zwiebeln, Salat, Broccoli oder Erbsen, dann gehe ich einfach hin und hol sie mir. Nicht immer gibt es alles, aber das ganze Jahr hindurch konnte ich ernten.“

Die Phase II wurden von den Klimapartnern des Blue Planet Certificates gefördert. Aktuell bereitet Naturefund gemeinsam mit dem BMZ die Phase III vor, bei der diesmal 160 Familien unterstützt werden sollen. Sobald in Bolivien die Phase III startet, voraussichtlich im Sommer 2017, haben die Partner die Möglichkeit, ihren Klimaschutzbeitrag für dieses Projekt einzusetzen.

Essbare Wälder und Regenwaldschutz in Madagaskar

Madagaskar ist eines der ärmsten Länder der Welt, das über eine einzigartige vorwiegend endemische Fauna und Flora verfügt. Armut, Unwissenheit und nicht nachhaltige Anbaumethoden führen zu einer weitgehenden Zerstörung der Ökosysteme mit negativen Folgen gerade für arme Menschen. Naturefund begann 2015 an zwei Standorten mit 10 Kleinbauernfamilien ein Pilotprojekt, um zu testen, ob dynamischer Agroforst auch in Madagaskar funktioniert. Die Ergebnisse waren sehr gut; die Parzellen verwandelten sich in kurzer Zeit in grüne Paradiese und die Familien hatten so viel zu essen wie noch nie zuvor. Auch sogenannte Cashcrops zeigten verblüffende Resultate: Kakao, der normalerweise nach drei bis vier Jahren zum ersten Mal Früchte trägt, hatte schon nach 18 Monaten zahlreiche Kakaofrüchte.

2016 startet Naturefund mit Unterstützung des BMZ ein Projekt im Nordosten der Insel. Nördlich der Vanillehauptstadt Sambava liegt das letzte große Regenwaldgebiet der Region, Makirovana. An der Rändern der Regenwaldes, dort, wo die landwirtschaftlich genutzten und oft abgeholzten Flächen beginnen, unterstützen wir aktuell 50 Familien, ihr Land auf dynamischen Agroforst umzustellen. Im Mai haben wir zudem mit dem Dorf Ankorakabe 13.000 Bäume einheimischer, lokaler Sorten auf Gemeindeland gepflanzt.

Das Projekt in Madagaskar wird aktuell von den Klimapartnern des Blue Planet Certificates unterstützt (Juni 2017).

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